«Fünf Jahre für den Aufbau der Kathedrale Notre-Dame erscheinen mir sehr sportlich»

Mitte April hat die ganze Welt für einen kurzen Moment den Atem angehalten: Ein verheerender Brand ist wahrscheinlich wegen Restaurationsarbeiten an der Kathedrale Notre-Dame in Paris ausgebrochen und hat die historisch wertvolle Dachkonstruktion stark beschädigt. Restaurationen an historischen Gebäuden braucht das gewisse Knowhow, welches auch Fanzun bei Arbeiten an der Kirche St. Cassian in Lantsch/Lenz und an der Kirche San Carlo Boromeo in Brusio unter Beweis stellen konnte. Anhand dieses Knowhows wagt Bauingenieur Dario Geisseler eine erste Prognose wie die Zukunft der geschichtsträchtigen Kathedrale aussehen könnte.

 

 

 

Wie kann es bei einer Restaurierung zum Brand kommen? Wie versucht man das möglichst zu verhindern?

Bauarbeiten an bestehenden Tragstrukturen aus Holz sind immer heikel. Einzelne Schweissperlen beim Schweissen oder Funken beim Trennen von Stahl reichen aus, um das Holz oder andere Materialien wie Dämmungen zu entflammen. Wo möglich werden die entflammbaren Materialien abgedeckt, ansonsten hilft nur äusserste Vorsicht beim Arbeiten. Die Schadensursache beim aktuellen Brand der Kathedrale Notre-Dame konnte noch nicht eruiert werden. In den Nachrichten werden mehrere Thesen diskutiert. Eine These ist, dass das Feuer bei den Abdichtungsarbeiten des Daches beim Arbeiten mit Blei entstanden ist. Die Untersuchungen laufen aber noch und aufgrund der Schwere der Beschädigungen wird es auch schwierig sein die Brandursache ausmachen zu können.

 

 

Wie wird ermittelt, ob die Struktur – vor allem die beiden Glockentürme – nach dem Brand noch halten?

Grundsätzlich weist Holz den Nachteil auf, dass es brennbar ist. Der Vorteil beim Brand ist aber, dass das Holz aussen verkohlt und so eine Schutzschicht bildet. Die Holzbalken verlieren dadurch an Mächtigkeit, können ihre Tragwirkung aber aufrechterhalten. Dies ist auch der Grund, dass das Dach noch lange tragfähig war und sämtliche Arbeiter sich noch retten konnten. Nun muss untersucht werden, wie stark die tragenden Elemente beschädigt sind und welche Bereiche ersetzt werden müssen.

 

 

Macron verspricht den Aufbau innert 5 Jahren. Ist das realistisch? Was ist zu tun?

Die Kathedrale Notre-Dame in Paris ist für Frankreich eine Herzensangelegenheit, darum werden die Franzosen alles daran setzen den Aufbau sobald als möglich realisieren zu können. Aufgrund des Schadensausmasses erscheinen mir 5 Jahre aber als sehr sportlich. Wichtig bei einem Neuaufbau ist eben auch, dass die ersetzten Teile möglichst nahe an das Original kommen. Daher kann die Geschwindigkeit beim Bau nur bedingt erhöht werden.

 

 

Auf was muss sonst noch geachtet werden bei Restaurationen von historischen Gebäuden?

Bei einer Restauration kann der Zustand aufgenommen werden und z.B. morsche Holzbalken ausgetauscht werden. Bei einem Brand gibt es die Möglichkeit nicht mehr die bestehende Struktur aufzunehmen. Daher muss man sich auf alte Pläne oder Aufnahmen verlassen, sofern vorhanden. Das dies teilweise schwierig ist, zeigt der Bau der Sagrada Familia in Barcelona. Der Architekt Antonin Gaudi verstarb 1926, im spanischen Bürgerkrieg wurden die meisten Pläne und Modelle der Basilika zerstört. Daher mussten die späteren Architekten anhand von rekonstruierten Modellen und mündlich überlieferten Gedanken die Basilika Planen und Bauen. Die Basilika ist noch immer im Bau und soll bis 2026 abgeschlossen sein.

Fanzun AG

Architekten Ingenieure Berater: Als Generalplanerin mit Standorten in Chur, Samedan, Scuol, Zürich, Bern und St. Gallen verfügt die Fanzun AG über mehr als 50 Jahre Erfahrung im Bauwesen. Das Portfolio des Unternehmens besteht aus anspruchsvollen Projekten in den Bereichen Tourismus, Gewerbe, Infrastruktur- und Wohnungsbau. Dass sich darunter auch einige preisgekrönte Bauten finden, liegt an der ganzheitlichen Herangehensweise von Fanzun. Über 80 Generalisten und Spezialisten vereinen ihr Wissen und bieten die gesamte Palette an Bau- und Immobiliendienstleistungen auf hohen Niveau an – von der strategischen Planung und Beratung über die Gestaltung und die Energiekonzeption bis hin zum Baumanagement.

 

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